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Aktuell

Der Aufwand hat sich gelohnt !

Schon das erste Jahr nach Start der aktiven Werbeaktion des Ersten Kölner Akkordeon-Orchesters im Herbst 2001 für das Akkordeon, brachte einen unerwarteten Erfolg. Das neu umgestaltete Kinder- bzw. Jugendorchester, unsere KAO´s-Kids wie sie auch liebevoll genannt werden, konnte im Herbst 2002 mit 8 jungen Mitgliedern verstärkt werden. Dieser Erfolg wurde schon aus zwei Grundschulen erzielt, wobei zunächst nur die fortgeschrittenen Akkordeonschüler mit den entsprechenden Voraussetzungen für das Jugendorchester berücksichtigt wurden. Das hatte uns beflügelt die Aktion zu wiederholen bzw. fortzusetzen, was inzwischen bei weiteren Grundschulen erfolgte und sich hierbei wiederum 17 Kinder zum Schnupperkurs angemeldet hatten. Seit Beginn unserer Jugendwerbung haben 29 Kinder begonnen das Akkordeon zu erlernen und somit unsere Erwartungen vollkommen übertroffen.

Alle Rektorinnen und Rektoren die wir bisher kontaktierten und unser pädagogisch vorbereitetes Konzept mit Vorlagen vorstellten, haben sich sofort zu der Aktion bekannt und eine zusätzliche AG (Arbeitsgruppe) in ihrer Grundschule eingerichtet. Die AG´s sind heute in fast allen Schulen eine feste Einrichtung mit den verschiedensten Themen. Da wir in unserem Verein keine Ausbildungsabteilung haben, sind wir auf externe und ehrenamtliche Musiklehrer angewiesen, diese jedoch zu finden ist nicht einfach. Hier gilt im Besonderen der Dank unseren ehrenamtlichen Ausbildern für den selbstlosen Einsatz. Wir als Verein können nur den Anstoß zum erlernen eines Instrumentes geben. Die Ausbildung sollte eigentlich von den Musikschulen übernommen werden, aber die häufig etwas elitäre Haltung macht das nahezu unmöglich. Klavier und Geige haben eben in der Klassik immer noch einen höheren Stellenwert als das Akkordeon.
Soll der Aufstieg des Akkordeons, was am 23. Mai 1829 mit der Patenterteilung an den Wiener Klavier- und Orgelbauer Zyrill Demian begann, wobei es während des 20. Jahrhunderts durch hervorragende Protagonisten vom volkstümlichen zum klassisch-konzertanten Instrument avisierte, im 21. Jahrhundert wieder rückläufig werden oder gar in der Versenkung verschwinden? Nein - auf und ab´s hat es immer schon gegeben und unsere Initiativen zeigen, wie Selbstmitleid und Lethargie hoffnungsvoll überwunden werden können.

Auch wir haben durch unsere Aktionen das Rad nicht neu erfunden, sondern Ideen und Impulse verschiedener Orchester aufgegriffen und auf die Bedürfnisse unseres Vereins abgestimmt. Das Konzept ist eigentlich sehr simple - man muss bei jungen Menschen Interesse für das Akkordeon wecken, ausbilden und später im Orchester in die Vereinsgemeinschaft integrieren. Nur hier kann man die Jugendlichen durch eine gute Jugendarbeit fesseln, denn die Vereine sind die Basis gesellschaftlichen Lebens. Aber gerade die Ausbildung kostet viel Zeit, persönliches Engagement und erfordert zusätzliche Helfer.

Die Erfahrungen zeigten, dass es nur ein kleines Jahrgangsfenster bei den Kindern und Jugendlichen gibt, um Interesse für das Akkordeon zu wecken. Die größte Begeisterung erreicht man in den Klassen 3 und 4 der Grundschulen mit den Jahrgängen der 8 bis 10-jährigen. Wobei hier schon zu beobachten ist, dass die Kinder der 3. Klassen begeisterungsfähiger sind als andere. Schon der erste Artikel "Das Akkordeon ist nicht out" in der HI 01/2002 hatte eine große Resonanz zur Folge und zeigte, dass auch andere Orchester Nachwuchsprobleme haben. Viele Vereine hatten uns angeschrieben um sich nach Einzelheiten unseres Konzeptes zu erkundigen, was wir natürlich sehr gerne weitergegeben hatten. Inzwischen haben einige den roten Faden aufgegriffen und können auch schon erste Erfolge vermelden, wobei die gemachten Erfahrungen ganz ähnlich sind. Denn - die Kinder sind unsere Zukunft - und das ist jede Mühe wert.

Wie sollte man bei einer Schulaktion bzw. Vorstellungsveranstaltung vorgehen? Eine gute Vorbereitung entscheidet darüber, ob die Aktion gelingt oder nicht. Wichtig ist eine gut abgestimmte zeitliche Planung gemeinsam mit den Schulleitern. Der beste Zeitpunkt bietet sich zu Beginn eines neuen Schuljahres, denn da kann der Akkordeon-Grundkurs gut in den normalen Unterricht integriert und als AG zeitlich eingeplant werden. Zur Vorstellung werden meistens 2 Klassen im Musikzimmer zusammengefasst. Wir benutzen hierfür ein Akkordeon im Rucksack, das lässt nicht gleich erkennen was sich darin verbirgt. Nun können die Kinder raten was es wohl ist. Mit der Zeit spricht sich das natürlich in der Schule herum, so dass dieser Effekt nicht unbedingt immer greift.

Wir erklären mit einfachen Worten wie das Instrument aufgebaut ist, fragen wie die Töne erzeugt werden und mit welchem Instrument es Ähnlichkeit hat. Wird es erraten, zeigen wir eine Mundharmonika und spielen darauf ein paar Töne oder eine kleine Melodie. Wenn man nur die Tasten drückt, kommt dann ein Ton heraus, nein - was müsste man machen usw.? Also da kann man viel Kreativität einbringen und rhetorisch mit leicht verständlichen Worten vortragen.

Dann stellen wir die Frage: Kennt ihr jemand der auch Akkordeon spielten kann - wer spielt von euch ein Instrument - wenn ja, welches? Anschließend sollte man ein paar bekannte Kinderlieder anspielen und vielleicht sogar etwas leichtes aus der Hitliste. Was eben zurzeit so "in" ist. Auf keinen Fall aber virtuos losfetzen, das würde nur staunende und verstörte Gesichter hervorrufen. Wer ein Akkordeon spielt hat immer ein ganzes Orchester dabei - Melodie, Begleitung und Bass. Man kann es überall hin mitnehmen und lässt sich leicht tragen - ein Klavier wäre ja viel zu groß und unhandlich - ein Keyboard braucht Strom usw.! Alle Arten von Musik können auf dem Akkordeon gespielt werden. Natürlich Volks- und volkstümliche Musik, aber auch Klassik, Rock und Pop. Viele berühmte Musikgruppen, gerade im Kölner Raum, benutzen das Akkordeon zur Untermalung oder auch als Soloinstrument. Auch dabei lassen wir einige Bands erraten.

Dieser theoretische Teil kann spannend sein - auch für die Lehrerin oder den Lehrer, aber er sollte nicht allzu sehr ausgedehnt werden. Denn die Kinder möchten auch selbst ausprobieren und erleben, ob sie auch Töne erzeugen können. Sehr schnell wird deutlich, wie schwierig es für manche Kinder ist, eine Taste zu drücken und gleichzeitig gleichmäßig den Balg zu betätigen, wobei jeder Künstler natürlich seinen wohlverdienten Applaus bekommen sollte. Wichtig ist einfach - spielerisch, leichtverständlich und pragmatisch an die Sache heran gehen. Zum Schluss geben wir den interessierten Kindern einige Informationsblätter und einen Umfrageabschnitt für ihre Eltern mit.

Hilfreich nach Rückmeldung interessierter Schüler ist eventuell ein Elternabend zur genaueren Erläuterung des Vorhabens. Da sich viele Eltern vor der Anschaffung eines Akkordeons scheuen, bieten wir Leihinstrumente an, denn niemand kann sich sicher sein, dass ihr Kind auch bei der Stange bleibt. Somit ist zunächst keine höhere Investition zu tätigen und die Entscheidung ein Kind zum Anfängerkurs anzumelden, fällt den Eltern dadurch leichter.

Der Akkordeonunterricht wird in kleinen Gruppen durchgeführt, weil das die Freude am musizieren steigert und es den Kindern Spaß macht, ihren Lernfortschritt zu vergleichen und sich selbst am Niveau der anderen zu orientieren. In pädagogischen Längsschnittuntersuchungen wurde festgestellt, dass sich das Musizieren positiv auf die Schulfächer auswirkt - auch dann, wenn das Üben scheinbar eine zusätzliche Belastung für das Kind ist. Angestrebt ist nach ein bis zwei Jahren der Übergang der Schüler aus der Gruppe in den individuellen Einzelunterricht und der gleichzeitigen Integration in das Orchesterleben im Verein. Immer unter dem Motto: Musizieren macht Spaß - aber noch mehr Spaß macht es, gemeinsam Musik zu machen.
W.H.

 

 

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