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Jugendwerbung mit Erfolg

Das Akkordeon ist nicht out

Fast in der gesamten Akkordeonbewegung hört man ständig Klagen über fehlenden Nachwuchs und mangelndes Interesse am Akkordeon. Auch wir im Raum Köln können uns davon nicht freisprechen und sind davon betroffen, so dass die Anzahl der Kindergruppen immer kleiner und weniger werden. Dadurch sind viele Akkordeonorchester, auch solche die seit Jahrzehnten schon bestehen, in ihrer zukünftigen Existenz gefährdet.

Nicht ganz unschuldig sind da die professionellen Musikschulen. Das Verhältnis zu ihnen ist häufig gespannt. Auch wenn in letzter Zeit immer mehr Kooperationen zwischen Akkordeonorchestern und Musikschulen stattgefunden haben, trifft das in einigen Städten wie z.B. Köln nicht zu. Durch Gespräche konnten wir heraus hören, dass es zwar Interessenten für Akkordeonunterricht gibt, die aber wegen Lehrermangel nicht ausgebildet werden können. Obwohl es doch in der Region mehrere Akkordeonorchester gibt, wird kein Kontakt zu ihnen aufgenommen um Schülerinnen sowie Schüler zu vermitteln. Es gibt da wohl Ängste, man würde später durch die Vereine die Schüler abziehen. Dem ist natürlich nicht so, denn auch während des Orchesterspiels muss der Unterricht weiter gehen. Auch die Orchesterstücke müssen im einzelnen besprochen und geübt werden. Aber nicht nur, sondern zusätzlich zu dem normalen Unterricht. Es sollte auch nicht so sein, dass die Musikschulen die Schüler fest an sich binden und keine freie Wahl eines Orchesters zulassen. Eine negative Haltung der Musikschulen ist häufig von einem Konkurrenzdenken geprägt, das verständlich wird, wenn man weiß, dass viele Musikschulen heute unter leeren Stadtkassen zu leiden haben. Es ist nachvollziehbar, dass Angst vor dem Arbeitsplatzverlust zu ablehnenden Haltungen führen kann. Deshalb dürfen unsere Projekte auch nicht von Konkurrenz zur Musikschule geprägt sein, wir müssen immer den gemeinsamen Vorteil im Auge haben.

Darum haben sich sehr aktive Mitglieder des "Ersten Kölner Akkordeon-Orchesters" dazu entschlossen in die Grundschulen zu gehen und für das Akkordeon zu werben. Unsere Aktion an den Schulen ist nicht völlig uneigennützig und das konnten wir auch bei den Vorbesprechungen mit den Schulleiterinnen und Schulleitern vermitteln. Schon nach einigen Monaten können die Kinder so gut spielen, dass sie am Gruppenspiel des Vereins teilnehmen können. Spätestens dann ernten wir die Früchte unserer Arbeit, aber wir können das Vertrauen, das Schulleitungen und Lehrer uns entgegengebracht haben entgegen, indem nun unser Kinderorchester bei Schulveranstaltungen präsent ist. Auf diese Weise halten wir die Öffnung der Schule lebendig. Das konnten wir mit unserem jetzigen Jugendorchester und Kindergruppe schon bei den vergangenen Schulveranstaltungen unter Beweis stellen. Wichtig war eine gut abgestimmte zeitliche Planung gemeinsam mit den Schulleitern.

Der Schulbesuch selbst musste mit den verantwortlichen Personen abgestimmt werden. Da wir keinen Einzelunterricht, sondern Gruppenunterricht anbieten wollten, war es notwendig, sich mit den Schulleitern rechtzeitig über Ort und Zeit der Akkordeongruppe zu einigen. Wir sind da eigentlich auf offene Ohren gestoßen und haben jegliche Unterstützung erfahren.

Mit einem vernünftigen und gut durchdachten Konzept haben wir in zwei verschiedenen Grundschulen einen Versuch gestartet. Insgesamt in acht 3. und 4. Schulklassen haben wir pädagogisch vorbereitet das Akkordeon vorgestellt. Man kann nicht mit einem Instrument unter dem Arm in die Schule gehen und fragen wer Unterricht haben möchte, dann darf sich niemand wundern, wenn er keinen Erfolg hat. Bei den Schulbesuchen dürfen wir nicht nur an unsere Ziele denken, wir müssen auch darüber nachdenken, inwieweit wir mit unserer Aktion den Schulalltag bereichern können. Auch wäre nicht falscher, als den staunenden Schülerinnen und Schülern virtuoses Können zur Schau zu stellen. Unser Unterrichtskonzept passte leicht in eine Schulstunde und brachte ca. 30 lehrreiche, unterhaltsame und witzige Minuten mit für die Kinder ansprechenden Musikbeispielen wie z.B. "Eine Insel mit zwei Bergen " von Jim Knopf und auf Wunsch von ganz aufgeweckten, "Hey Baby" von DJ-Ötzi. Waren es doch zunächst fast alle, die Spaß am Akkordeonspielen hätten. Wohlgemerkt am "spielen", aber ohne lernen und einem gewissen Zeitaufwand dafür geht es nicht. Nachdem wir dann die Kinder mit Informationsmaterialien und Meldezettel versorgt hatte, warteten wir gespannt auf die Rückmeldungen. Nachdem wir die Eltern der interessieren Kinder ebenfalls über unser Vorhaben aufgeklärt hatten, waren es insgesamt 15 Anmeldungen zum Akkordeon-Unterricht. Da sich auch ein Vater eines Kindes zum Einzelunterricht anmeldete, hatte das Ganze noch einen netten zusätzlichen Nebeneffekt.

Selbst wenn nach einem Jahr nur ein paar wenige bei der Stange bleiben, hat sich der Aufwand gelohnt und dabei waren wir doch nur in 2 Grundschulen. Kaum auszudenken wenn alle Musikschulen bereit wären mitzumachen. Es zeigt sich, dass das Akkordeon keineswegs "out" ist und wir wir schon mit den Kindern zusammen festgestellt hatten, spielen sehr viele berühmte Musikgruppen nicht nur mit Gitarre, Keyboard usw., sondern auch mit einem Akkordeon. Gerade im Kölner Raum sind es besonders viele Bands. Wir können jedes Orchester, das Nachwuchsprobleme hat, darin bestärken zu versuchen so oder auf ähnliche Weise den Nachwuchs zu begeistern und zu gewinnen. Denn die Kinder sind unsere Zukunft.
Musizieren macht Spaß - aber noch mehr Spaß macht es, gemeinsam Musik zu machen.
W.H.

 

 

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